|| FAQ – kommst du jetzt in jeden club rein?

Nee.

Manchmal Ziemlich oft denken Leute ja, weil ich eine Doktorarbeit über Türsteher schreibe, bin ich jetzt eine Art Türsteherflüsterer. Entweder in der Annahme, dass ich nun jeden Türsteher (je)der Stadt kenne oder aber im Mindesten das “Sesam öffne dich” entschlüsselt habe, mit dem man das Felsentor zur Schatzkammer öffnet. Ich muss leider enttäuschen, es gibt kein Zauberwort und Türsteher sind auch keine Schaltpläne, auf denen man nur die richtigen Knöpfe drücken muss.

Feldforscherin zu sein stattet einen ja mit einer gewissen Narrenfreiheit im Arbeitsalltag der Forschungsteilnehmer aus. Die muss man sich aber erstmal erarbeiten und funktioniert natürlich nur bei den Leuten, die einen tatsächlich kennen. Für alle anderen Türsteher ist man ein weiteres unbekanntes Gesicht in der Masse aus Hunderten unbekannten Gesichtern, in die sie im Laufe der Nacht blicken.

Ich habe persönlich kein Problem damit, dass Türsteher auch die Entscheidung fällen, Menschen den Zutritt zu einem Club zu verweigern oder ihnen den Zutritt wieder zu entziehen und dass sie sich Zeit lassen, eine Entscheidung zu fällen – schließlich sind die kurze Begegnung beim Einlass die wenigen Momente in denen jeder Gast für die Türsteher als Einzelner aus der Masse heraussticht, bevor er oder sie wieder in ihr verschwindet. Aber ich hege einen tiefe Abneigung gegen Clubs, Türsteher und Gäste, die diese Entscheidung zelebrieren. Denn dann geht es nicht um Sicherheit und Schutz als Entscheidungsgrundlage, sondern um Style. Ich mag Orte nicht, an denen meine Coolness zur Debatte steht und ich mag keine Atmosphäre, in der Menschen ihre Coolness darüber definieren, dass andere nicht dabei sein dürfen. In so manchen Club will ich also gar nicht rein, weil ich mich dort nicht wohlfühle und schließe mich damit selbst aus. Bourdieu würde dazu sagen “Exklusion funktioniert über Geschmack. Dass du dich in bestimmten Clubs nicht wohlfühlst und deswegen von selbst nicht hingehst, erspart es den Clubs, dich explizit abweisen zu müssen, und den Gästen im Club, mit deiner Anwesenheit klarkommen zu müssen. Mission accomplished.” Funktioniert übrigens nicht nur bei Feldforscherinnen…

Ob ich in einen Club gehe und dort auch noch reinkomme, ist also immer erst im Nachhinein klar, daran hat die Doktorarbeit nichts geändert. In die Clubs, deren Türsteher ich kenne, komme ich jedenfalls nicht rein. Da bleibe ich am Eingang hängen und quatsche mit den Türstehern, gibt schließlich viel zu erzählen.

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