|| weihnachtsgeschenke mit türstehern

christmas+bouncers

Noch kein Weihnachtsgeschenk, aber Bock auf Literatur und Türsteher? Bis meine Doktorarbeit in Buchform erhältlich ist, wird es wohl eher Weihnachten 2017 (ouch!). Bis dahin viel Spaß mit anderen Büchern mit/über/von Türstehern.

 

SIMON: DENN WIR SIND ANDERS (würde ich menschen schenken, die ich mag)

Das Buch wurde mir von einem Türsteher empfohlen: “Als ich das Ende gelesen hab’, hab’ ich geheult.” Ich auch. Andere Türsteher, die das Buch ebenfalls gelesen haben, schweigen sich über den Teil mit dem Heulen aus, man ist sich aber einig, dass einen die Geschichte nicht kalt lässt. Die Geschichte, das ist Felix S., Jugendfreund der Autorin, der als Wendekind zwischen verschiedenen Welten verloren geht, im Berliner Post-Wende-Nachtleben unter anderem als Türsteher wieder auftaucht – und wieder verloren geht. Das Buch ist eine journalistische Reportage, die versucht, sich aus verschiedenen Perspektiven dem Freund anzunähern, in weiten Teilen geht es also um anderes als den Job an der Tür. Türsteher, das heißt hier, sich irgendwo zwischen Kampfsport, Fußballschlägereien, Tür-Job, Drogen-Halbwelt und klassischer Musik zu bewegen.

 

PETTAU: AUF DEM ACKER (würde ich menschen schenken, die ich mag)

Das Buch wurde mir ebenfalls von mehreren Türstehern empfohlen: “So wie der über den Job an der Tür schreibt, bin ich mir sicher, dass der das selbst auch schon gemacht hat.” Hat mich natürlich brennend interessiert, was Türsteher als authentische Darstellung ihrer Arbeit empfinden. Das Buch handelt von Matthias, Jura-Student in Frankfurt am Main, Hooligan, der sich am Wochenende wahlweise auf dem Acker verabredet oder/und an der Tür arbeitet. Es ist als Roman geschrieben, in den aber offensichtlich viele eigene Erfahrungen des Autors eingeflossen sind. Türsteher, das heißt hier, sich irgendwo zwischen Jura-Studium, Fußballschlägereien, Tür-Job, Drogen-Halbwelt und in-die-Kommilitonin-verknallt-sein zu bewegen.

 

BUCHWITZ: NACHTLEBEN (würde ich menschen schenken, die ich mag)

Der Roman fiel mir bei einer ziemlich platten Literaturrecherche in die Hände (Suchwort: “Nachtleben”). Er nimmt die LeserInnen mit auf Zeitsprünge durch Ricks Leben, der in zerrütteten Verhältnissen und später im Heim aufwuchs, quasi ankerlos durchs Leben treiben muss und dessen verbliebene Familie plötzlich und unvermutet in sein Leben zurückkehrt. Zeitweise arbeitet Rick als Türsteher, was aber nur einer von zahlreichen Erzählsträngen ist. Türsteher, das heißt hier, sich zwischen Tür-Job, Drogen und Drogen-Halbwelt, kaputten Beziehungen (außer zum besten Freund) und viel Einsamkeit zu bewegen.

[… hmmm, man könnte nach den drei Büchern meinen, Türsteher sind allesamt entweder Männer mit verkrachten Lebensumständen und/oder es ist ein Stilmittel, um verkrachte Lebensumstände von Männern glaubhaft zu illustrieren? Andererseits, wer schreibt schon Bücher über Männer, bei denen alles super läuft? Pick-up ‘Artists’ ausgenommen.]

 

HACKER/GEISLER/BÜTTNER: DUMM & BRUTAL (würde ich menschen schenken, die ich mag und vom letzten drittel abraten)

Auf das Buch bin ich über die Türsteherlesung “Zeit für Zorn” gestoßen, die ich seit zwei Jahren konsequent verpasse (gnah!), und Viktor Hackers Kolumne “Eingangs erwähnt”, die ich mit großem Vergnügen lese. Das Buch besteht aus Kurzgeschichten der drei Autoren, die als Türsteher auf dem Hamburger Kiez arbeiten bzw. gearbeitet haben. Größtenteils haben sie Nachtleben- und Türbezug, außer der wirklich schauerliche dritte Teil. Türsteher, das heißt hier, Beobachter von Betrunkenen und ihren bestenfalls Schrulligkeiten zu sein, während man selbst nüchtern und meist erfolgreich versucht, Ruhe zu bewahren und vor allem, aber nicht ausschließlich verbal schlagfertig zu sein.

 

BÜTTNER: GLORREICHE SPELUNKEN (würde ich als “how-to-not-do-it” verschenken)

Das Buch basiert auf Erfahrungen des Autors, drauf gestoßen bin ich durch “Dumm & Brutal”. Ich habe es gelesen und gleich einem Türsteher ausgeliehen, der es mir mit dem Kommentar zurückgab: “War ganz okay, aber ich dachte mir, was ist denn das für ein Saftladen bei dem der arbeitet und wie schlecht machen die eigentlich ihre Arbeit? Türsteherkollegen, die nur rumstehen, Assis, die durchmarschieren und ‘ne dauerbesoffene Nighty?” Damit wäre auch schon beschrieben, was Türsteher sein in dem Buch heißt. Glorreich ist anders, aber das mit der Spelunke kommt hin.

 

THOMPSON: DIE TÜR (würde ich menschen schenken, die jason statham-filme mögen)

Das Buch ist wie die anderen Bücher von Geoff Thompson autobiografisch zu verstehen. Es dreht sich in weiten Teilen um sein Leben als Türsteher, Kampfsportler und der permanenten Überwindung der eigenen Angst. Das kann trotz oder wegen all der Schlägereien irgendwann etwas langatmig werden, fand ich aber interessant, weil neben der Verbindung Türsteher-Kampfsport das Thema Angst in den Vordergrund gestellt wird, worüber man sonst auch gerne mal keine Worte verliert. Beim Lesen sollte man aber im Hinterkopf behalten, dass das Buch im England der 1980er angesiedelt ist und Zeiten sich ändern (und nicht überall gleich sind). Die anderen Bücher fand ich in Bezug auf den Tür-Job als solchen ‘zeitloser’.

 

DENK/VON THÜLEN: DER KLANG DER FAMILIE (würde ich menschen schenken, die man nicht verwirren kann)

Es gibt ja mittlerweile ein paar Bücher zum Berlin und seine Musik/Subkultur um die Wendezeit. “Der Klang der Familie” ist eins davon. An dem Buch gefällt mir besonders das eher ungewöhnliche Format: Grob thematisch geordnet werden Passagen aus Interviews mit Menschen, die das Berliner Nachtleben um die Wende mitgestaltet haben (und teilweise immer noch mitgestalten), unkommentiert nebeneinander gestellt und ergeben so ein vielstimmiges Bild. Das erinnert bisweilen an unfertige Datenauswertung eines qualitativen Forschungsprojekts und ist zum Einstieg in das Thema vielleicht eher ungeeignet, weil zunächst anstrengend zu lesen, ist aber ein interessantes Experiment. Auch TürsteherInnen kommen dabei zu Wort oder werden thematisiert. TürsteherInnen sind hier ZeitzeugInnen und es geht in Bezug auf sie um die Spannung zwischen der Grundidee von Techno auf der einen und nicht-alle-reinlassen-wollen auf der anderen Seite, um Tür-Persönlichkeiten, Milieu-Halbwelten, die auch ihr Stück vom Kuchen abhaben wollen und von TürsteherInnen wahlweise davon abgehalten oder dabei unterstützt werden – und um jede Menge schräge Vögel.

 

MARQUARDT: DIE NACHT IST LEBEN (würde ich menschen schenken, die ich langweilen will)

Über die Autobiografie habe ich ja schon vor einer ganzen Weile geschrieben und finde sie immer noch in weiten Teilen bestenfalls nichtssagend. Ich will keine Spannung kaputt machen, aber nochmal: Für diejenigen, die sich für Türsteher interessieren, lohnen sich ausschließlich die letzten sechs Seiten. Wirklich.

 

HEYMANN/LEBER: NACHTS SIND ALLE KATZEN BLAU (würde ich hippen schnöseln schenken)

Das Buch soll wohl eine Art Benimm-Fibel für Feierfreudige sein und klappert alle Stationen des Nachtlebens von Planung bis dem Morgen danach ab. Vielmehr als ein ungläubiges “Echt jetzt?!” fällt mir zu dem Buch leider nicht ein und ich würde …nervigen… Menschen dringend raten, die genannten Tipps zu befolgen, besonders die mit Türsteherbezug. Viel Vergnügen!

 

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