|| FAQ – warum arbeitet jemand als türsteher?

An der Tür zu arbeiten heißt: arbeiten bei Nacht, ohne Versicherungsschutz, mit mäßiger Bezahlung, dafür aber potenziell jeder Menge Ärger – klingt erstmal wenig attraktiv. Warum arbeiten Menschen dann an der Tür und das teilweise auch noch ziemlich gern?

Zum einen arbeiten Menschen aus ganz pragmatischen Gründen als Türsteher. Es ist einfach ein Job, mit dem man Geld verdienen kann. An dem schätzen die meisten neben dem Finanziellen auch die Flexibilität, nach eigenem Bedarf mal mehr oder eben auch mal weniger arbeiten zu können. Wobei das mit der Flexibilität jeden Monat aufs Neue so eine Sache ist, wenn’s drum geht, den Dienstplan zu machen. Manche müssen phasenweise mehr arbeiten als sie eigentlich gern würden, weil sie dringend auf das Geld angewiesen sind. Was noch lange nicht bedeutet, dass sie sicher genug Schichten übernehmen können, um genau dieses Geld zu verdienen, sodass sie mitunter am Ende doch weniger arbeiten können als sie gerne würden weil sie müssen. Andere wiederum arbeiten mehr als sie ursprünglich vorhatten, weil sie kurzfristig für einen Kollegen einspringen oder derjenige, der für den Dienstplan zuständig ist, ihnen verzweifelt tief in die Augen geschaut hat: “Ich krieg die Schicht nicht voll! Kannst du nicht…?” – “Ach verdammt!”

Die meisten Türsteher, die ich im Verlauf meiner Forschung kennengelernt habe, arbeiten zwar hauptberuflich in anderen Bereichen oder studieren, aber für manche war es durchaus relevant, dass es sich bei dem Job auch um eine Tätigkeit handelt, für die formale Kriterien wie Bildungsabschlüsse oder ein blütenweißes polizeiliches Führungszeugnis nicht das sind, wonach als Allererstes gefragt wird. Es sind andere Qualitäten, die zählen: Kann jemand gut mit Menschen umgehen und durchsetzen, sowohl verbal als auch im Zweifelsfall körperlich? Und weiß er, wann dafür der richtige Zeitpunkt ist – und wann eben nicht? Kann man sich auf jemanden verlassen, auch und gerade wenn es darauf ankommt? Das sind Dinge, die mit formalen Kriterien wenig zu tun haben, sondern mit Persönlichkeit. Schwierig wird es, wenn sich herausstellt, dass jemand eben (doch) nicht über diese Qualitäten verfügt. Was dann? Tja. Ein bisschen Spannung muss für meine Doktorarbeit ja auch noch übrigbleiben. Vielleicht wird es aber auch dort nicht stehen. Wer weiß.

Für die allermeisten Türsteher, die ich kennengelernt habe, ist der Job allerdings mehr als nur ein reiner Broterwerb. Zwar gehen viele in ihrer Freizeit selbst wenig aus, weil sie keine besondere Lust auf Nachtleben haben, schließlich arbeiten sie ja dort. Was aber nicht automatisch heißt, dass sie ungern im Nachtleben arbeiten. Viele schätzen an der Tätigkeit, dass sie mit immer wieder anderen und ganz unterschiedlichen Menschen arbeiten und teilweise Erfahrungen von der Tür auch in andere Lebensbereiche einfließen lassen können und andersrum. Sie reizt es, immer wieder vor herausfordernde Situationen gestellt zu werden, die gelöst werden müssen und können. Für diejenigen, die in einem gut eingespielten Team arbeiten, bedeutet das auch, mit Freunden zusammenzuarbeiten  und ein besonderes Vertrauen und Zusammenhalt zu erleben.

Mit anderen Worten,  viele Türsteher arbeiten als Türsteher, weil sie die Intensität der Tätigkeit reizt. Die Nacht, die Menschen, die Erlebnisse, die Grenzerfahrungen haben ihren besonderen Sog und die meisten Türsteher schätzen und verfluchen ihn gleichzeitig. Das wird vielleicht vor allem darin deutlich, dass diejenigen, die seit vielen Jahre an der Tür arbeiten, immer wieder Phasen haben, in denen sie sich etwas daraus zurückziehen und gar nicht mehr oder nur ab und zu an der Tür arbeiten. Weil die Freundin nicht sonderlich von dem Job begeistert ist und/oder familiäre Verpflichtungen wichtiger werden. Weil es zu viele Anzeigen gab und man weiteren Ärger vermeiden will. Weil man merkt, dass man zu schnell zu gereizt ist und etwas Abstand braucht. Weil der Job zu sehr schlaucht. Manche hören schließlich ganz auf und die anderen… die stehen früher oder später wieder an der Tür, weil ihnen ohne den Job etwas gefehlt hat.

 

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