|| FAQ – haben türsteher eine berufsunfähigkeits-versicherung?

Kürzlich kam während der Summer University meiner Research School die Frage auf: Haben Türsteher eigentlich eine Berufsunfähigkeitsversicherung? Sind sie krankenversichert? Rentenversichert? Wird man damit eigentlich reich? Die Antwort lautet: in den meisten Fällen nein.

Viele Türsteher finanzieren sich mit dem Job ihr Studium oder arbeiten hauptberuflich in einem anderen Job, manche leben mit staatlicher Unterstützung. Für viele ist er ein Zuverdienst, für manche Haupteinkommen, für alle gilt aber, dass man damit nicht sonderlich reich werden kann. Denn: Eine 40-Stunden-Woche gibt es natürlich nicht, ist rein praktisch kaum möglich, da zum einen viele Clubs eher zwei bis drei Nächte statt sechs oder sieben Nächte die Woche geöffnet haben. Selbst wenn, schlaucht es ganz schön, viele Nächte der Woche an der Tür zu arbeiten. 40-Stunden-Woche kann man also schon mal machen, wenn man finanziell grade sehr darauf angewiesen ist, aber gesund ist anders. Und: Der Stundenlohn von Türstehern variiert von Club zu Club bzw. von Sicherheitsfirma zu Sicherheitsfirma und bewegt sich im Spektrum zwischen Mindestlohn und 15 Euro. Manche Clubs zahlen mehr und manche Veranstaltung wie die Silvesternacht bringt mehr, aber das ist eher die Ausnahme als die Regel. Stundenlohn heißt natürlich auch, dass jede Stunde unmittelbar verdientes Geld und im Gegenzug jede ausfallende Stunde eine Stunde unmittelbar weniger verdientes Geld ist. Es kann durchaus vorkommen, dass man die Schicht in der Annahme antritt, sieben Stunden zu arbeiten, und nach vier Stunden wieder nach Hause geschickt wird, weil wenig los ist und der Club deshalb früher schließt. Das heißt also, wieviel Geld man im Monat einnehmen wird, weiß man erst an dessen Ende – was besonders für diejenigen schwierig werden kann, für die das Geld kein willkommenes Extra, sondern wichtiges Einkommen ist.

Türsteher sind meist auf Minijob-Basis entweder beim Club direkt oder in einer Sicherheitsfirma angestellt, das heißt wie alle anderen geringfügig Beschäftigten in Deutschland sind sie in Bezug auf Kranken-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung nicht versicherungspflichtig. Versicherungsschutz besteht wenn, dann durch andere Tätigkeiten. Wer krank wird, kann keine Schichten übernehmen und hat damit Verdienstausfall, für den niemand aufkommt. Das gilt auch für diejenigen, die bei der Arbeit verletzt werden. Entstehen Anwaltskosten und Bußgelder, werden sie aus eigener Tasche bezahlt. Verletzungen und Kontakte mit der Strafjustiz sind zwar nicht an der Tagesordnung, aber konstantes Risiko bei jeder Schicht und es ist fast unmöglich, längere Zeit in dem Job zu arbeiten, ohne verletzt zu werden oder Anzeigen zu kassieren. Türsteher gehen also einer potenziell riskanten Tätigkeit nach, ohne dass mit der Tätigkeit selbst ein Versicherungsschutz einher geht. Zwar gibt es Türsteherkreise, in denen man versucht, durch Soli-Systeme ein Mindestmaß an Absicherung zu schaffen (wie zum Beispiel auch in Jana Simons “Denn wir sind anders” beschrieben), aber das ist meines Wissens doch eher die Ausnahme.

Ein Türsteher fasste schulterzuckend sinngemäß zusammen: Es gibt riskante Jobs, da hat man wenigstens ‘nen finanziellen Anreiz, der dazu im Verhältnis steht, aber an der Tür schmeißt du dich wenn’s mies läuft für’n Zehner zwischen Idioten, die wegen irgendwelchem Unsinn versuchen, sich die Köpfe einzuschlagen. Und wenn’s richtig mies läuft, rufen die dann auch noch die Bullen.

Wenn man sich also an der Tür keine goldene Nase verdient und man durch den Job gefährlicher lebt als ohne, warum machen Leute ihn dann trotzdem? Das ist eine andere FAQ.

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