|| “lost my voice” – der türsteher war’s (nicht)

Neulich im Fitnessstudio, da gibt’s nicht nur Türsteher aus Fleisch und Blut, sondern auch als Teil der musikalischen Beschallung.

https://soundcloud.com/katermukke/pier-bucci-red-robin-lost-my

Der Typ in dem ziemlich belanglosen Track erzählt ungefragt die ziemlich belanglose Geschichte wie er seine Stimme verloren hat. Hätte mich nicht weiter interessiert, wären nicht Türsteher drin vorgekommen.

Kurzfassung: Er sieht eine schöne Frau im Club, kriegt’s nicht hin sie anzusprechen, als sie den Club verlässt geht er hinterher, findet sie nicht, die Türsteher lassen ihn nicht mehr rein, weil er keinen Stempel mehr vorweisen kann, er steht stundenlang draußen um auf seine Freunde zu warten, friert und holt sich eine satte Erkältung. Stimme weg, Frau weg, schön war’s trotzdem. Seine Schlussfolgerung ist, dass er wegen der schönen Frau seine Stimme verloren hat, aber eigentlich ist das so nicht richtig. Er hat die Stimme verloren, weil die Türsteher ihm den Wiedereintritt verwehrt haben. Aber Türsteher haben einfach nicht denselben Kitschfaktor wie schöne Frauen.

Die Erzählung soll durch ihre Machart authentisch rüber kommen, ist aber an mehreren Stellen nicht besonders glaubwürdig.

(1) Hätte er die Jacke bei der Garderobe abgegeben, hätte er im mindesten sein Geld rausgenommen. Hätte er sie irgendwo im Club verstaut, sowieso.

(2) Wäre er wirklich in einem Berliner Club gewesen, hätte er den Stempel drei Tage nicht wegbekommen. Ein bisschen Händewaschen interessiert Berliner Stempel nämlich herzlich wenig.

(3) Mag sein, dass ihm die Türsteher den Wiedereintritt verweigert hätten, aber mit der Garderobenmarke hätte er zumindest seine Jacke wiederbekommen.

Auf Basis meiner teilnehmenden Beobachtungen vermute ich also ein alternatives Szenario: Er rennt der Frau hinterher, findet sie nicht, will wieder in den Club, die Türsteher halten ihn genervt auf, weil die Nacht schon weit fortgeschritten ist und er nicht der Erste ist, der versucht, sich in den Club zu schleichen. Er ist schon ziemlich betrunken, wahlweise druff, wahlweise beides und erklärt pampig, dass er schon drin war – hier ist der Stempel. Nicht. Er fängt eine fruchtlose Diskussion mit einem der Türsteher an, der ihm schließlich entnervt sagt, dass er so oder so nicht mehr reinkommt. Das wird gefolgt von einer Diskussion um die Jacke, die der Türkollege mit dem Angebot unterbricht: “Gib mir deine Garderobenmarke, ich hol dir die Jacke und dann ist Ruhe hier, klar?” Eine Garderobenmarke gibt es nicht, also wird er weggeschickt. Erneute Diskussion. Dann schiebt ihn einer der Türsteher vor den Club auf den Gehweg, “Ist nicht unser Problem, ruf halt deine Freunde an, damit sie dir die Jacke rausbringen.” Es dauert tatsächlich eine Weile, bis er seine Freunde erreicht, die ihm die Jacke nach draußen bringen und er nach Hause gehen kann, während die anderen weiterfeiern.

Aber wer erzählt sowas schon gerne?

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